Bienen auf Heroin

Das Ende von Zucker, Brot und Peitsche

*Fotos & Gedanken von KA*

Vor zwei Wochen haben wir uns von unseren Völkern Mond und Mars verabschieden müssen, da sie den Winter nicht überlebt haben. Im Folgenden standen einige Aufräumarbeiten an. Beim Ausleeren der verlassenen Nestkisten ist uns aufgefallen, dass sie noch Pollen- und Honigvorräte enthielten. Diese haben wir so weit es ging entnommen. Inwieweit es sich dabei um eingelagerten Zucker handelt, ist schwer festzustellen.
Wie es im Leben oft so geht, hatten wir am selben Tag ein Treffen mit einer bekannten Imkerin, die bei uns am Hof die Betreuung eines Bienenprojekts übernehmen wird, das vom Amperhof und Melifera e.V. gemeinsam initiiert wurde.
Während ich also abends in unserer Küche stehe und leicht melancholisch angehaucht im Sinne „die Arbeit unserer Bienen soll nicht umsonst gewesen sein“ das wertvolle Perga aus den Waben herauspule, gehen mir Aspekte unseres vorangegangenen Gespräches am Nachmittag durch den Kopf.
Neben mir läuft der herunter geschabte Brutraumhonig durch ein Sieb, um ihn von den gröbsten Wachsrückständen zu befreien. Schleudern war angesichts der geringen Mengen Honig sinnfrei. Er weist trotz Sieben Überreste von Wachs, Propolis und Pollen auf, der sich damit vermischt hat. Schmecken tut er fantastisch und ich denke mir, wie unheimlich gesund diese Art der Mischung für den Menschen ist, weil sie all die wertvollen Stoffe und Zutaten enthält, die von den Bienen in ihrem Nest hergestellt werden.

 

Sicher, der Brutraumhonig ist etwas trübe durch die winzigen Wachsstückchen und das Propolis, doch worauf kommt es bei der Nahrung, die wir zu uns nehmen denn eigentlich wirklich an? Dass sie genormt, formvollendet und makenfrei ist oder dass sie unseren Körper mit allem Notwendigen versorgt, was er braucht?
Ich erinnere mich daran, was unsere Bekannte von einer befreundeten türkischen Imkerin erzählt hat, die ihr nämlich sagte, dass sie in der Türkei den deutschen Honig nicht essen mögen, weil er zu verzuckert sei, da die Imker in der industriellen Imkerei ja oft während trachtenschwacher Phasen Zucker zufüttern.

In Untersuchungen, deren Veröffentlichung von der Zuckerindustrie (zum reinen Selbstschutz versteht sich) weithin unterdrückt werden, wurde festgestellt, dass Zucker im Gehirn beim Menschen dieselben Schaltkreise wie Heroin bedient.

Im Grunde reicht diese Erkenntnis, um sofort vom massiven Zuckerkonsum Abstand zu nehmen, dennoch bleibt dann die Frage, warum wir dieses Zeug an unsere Bienen verfüttern?
Ein Imker wird darauf vermutlich antworten, dass es den Bienen nichts ausmacht, da sie den Zucker ohnehin nur als Treibstoff im Winter brauchen, um ihr Nest zu heizen. Aber ist das wirklich so? Warum wollen wir dann lieber Honig statt Zucker essen? Man sollte doch annehmen, dass alles in der Natur – auch ein süßer Honigvorrat! – einen besonderen Sinn und Zweck im Gewebe der Schöpfung hat, dass es eben nicht nur um den Energiegehalt im Honig geht, sondern um die spezielle Komposition des Nektars mit seinen Inhaltstoffen und seine Aufbereitung durch die Bienen, die ihn nicht einfach ersetzbar macht, sondern ganz im Gegenteil, dessen Fehlen massiv zum Unwohlsein und der Schwächung der Bienen beiträgt.

In unseren Augen ist es an der Zeit für ein fundamentales Umdenken und völlig neues Erfassen des menschlich-tierischen Miteinanders, und zwar des wirklichen empfundenen Miteinander, in dem die Bienen ein gleichberechtigter Teil des Lebenskollektives sind, keine Arbeitssklaven, auch keine verzüchteten, sanftmütigen Nutztiere, sondern Lebewesen, die einen ganz bestimmten Platz im großen Netzwerk einnehmen und ausfüllen, so wir sie lassen.
Immer wieder fallen mir die Worte aus dem Alten Testament ein, wo es heißt, Gott schuf die Erde und der Mensch solle sie beherrschen. Ehrlich, war Gott da unausgeschlafen oder schlecht drauf, als er sich das ausgedacht hat? Oder hat irgendwer im Nachklang was falsch verstanden und die Textpassage lediglich unglücklich übersetzt?
Was aus der Konstruktion Mensch+Herrschaft geworden ist – und das hat sich in 2000 Jahren weder durch die Hexenverbrennung noch den Neoliberalismus verbessert – sehen wir allenthalben überall auf diesem Planeten. Zeit damit aufzuhören! In meinem Verständnis wurde der Mensch für diesen Planeten geschaffen, als kreativ denkender Teil, der Schönheit erschaffen und kultivieren soll – das Gott braucht schließlich auch mal ’ne Auszeit, gell?!
Und weil ein Mammutprojekt (abgesehen von den fehlenden Mammuts) zur Umsetzung der Nicht-Herrschaftslebensweise eher keine gute Wahl zu sein scheint, wie man ja unweigerlich an Dingen wie der EU oder dem Berliner Flughafen erkennen kann, beginnen wir doch bei uns selbst, in unseren vier Wänden und innerhalb der Laufweite von unserer Wohnung.


Bienen sind der Hit!
Ein klein wenig niedlicher und streichelbarer sind in der Tat nur Küken. Diese hier haben am 17. April – pünktlich zu Ostara! – das Licht der Welt bzw. das im Brutkasten erblickt. Unser Anligen ist es, eine gesunde, normale Hühnerfamilie mit Mamis und Papi zu bekommen, denn die Brutapparatnummer ist zwar funktional aber eben auch total widernatürlich – leider ging es in diesem Fall nicht anders …

Als kreatives Lebenskollektiv, derzeit bestehend aus 5 Katzen, 59 Küken, sehr vielen Bienen, unzähligen Pflanzen, noch viel unzähligeren Bazillen und Bakterien und zwei Menschen, sowie zuweilen diversen Untermietern wie Jagdspinnen und Flöhen, streben wir an, dass jede und jeder zum Glück und der Gesundheit aller beiträgt, indem er die Mitglieder dieses Kollektivs nicht übervorteilt und stattdessen seine Komfortzone und Bedürfnisse beständig mit denen der anderen abgleicht und nicht mit strategischer Gewalt, technischer Überlegenheit (und Zuckerwasser) die eigenen Lebenswerte vor die der Beteiligten setzt.

Bestimmt sind Hunderte Philosophen und Philosophinnen lange vor uns zu ähnlichen Schlüssen gelangt, doch offenbar ist davon über die Jahrhunderte bemitleidenswert wenig im Menschenkollektivbewusstsein haften geblieben, deshalb sei an dieser Stelle noch mal gesagt: Es ist kein Zeichen von Menschlichkeit oder Mitgefühl, wenn man andere Lebewesen seinen Bedürfnissen unterwirft, auch wenn man es ganz nett tut, und in seiner Freizeit auf Anti-Monsanto-Demos geht. Schönheit entsteht dort, wo Unterschiedlichkeiten liebevoll zueinanderfinden, wo aus Diversität durch Aufmerksamkeit, Respekt und Vertrauen eine einmalige Harmonie wird. Geistige und materielle Monokultur zeugen lediglich von der Angst vor der unbezähmbaren Vielfalt. Mensch sein bedeutet, die Hintergründe und Spielarten des Lebens zu erkennen – wozu sonst der große Neokortex? – und mit allen Sinnen und jedwedem Handeln nach dem Besten für alle Lebewesen zu streben!

Ich bin wirklich keine Freundin von Moralpredigten, und ein Teil in mir wehrt sich auch dagegen, solche Dinge hier derart radikal zu formulieren, doch nach 34 Jahren des Beobachtens, des Mit-Verursachens und des Ausgesetzt-Seins existiert für mich vor allem eine wesentliche Erkenntnis: Entweder die Zukunft beginnt JETZT! mit uns oder sie endet mit uns, und das dann recht zeitnah!
So einfach. Lasst und wieder zu Menschen werden, und lasst uns die Bienen sein lassen – immens wichtige, wilde Insekten, mit einem naturgegebenen Recht darauf, ihre gesammelten Wintervorräte selbst zu verspeisen!

Weiterführende Gedanken zum Ansatz „Ein Maß Honig“ und grundsätzliche Überlegungen zu Leben und Tod, so wie allem dazwischen und daneben gibt es demnächst hier auf diesem Blog

 

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