Irren ist ja so menschlich …

Von Frühjahrsraubzügen und Totengräbern

*Fotos & Nachruf  von KA*

Nachdem wir vor wenigen Tagen voll Freude den Beginn des Bienenjahr 2017 gefeiert haben, so drängt sich nach der gesterigen Durchsicht doch für den Moment eher der Beginn eines notwendigen Begreifensprozesses auf, denn in zwei Kästen finden wir nur tote Bienen.
Schwer zu beantworten, ob das immer so war, und was genau sich Mutter Natur dabei gedacht hat, aber Bienenvölker sind fragile Wesen… zumindest dieser Tage.
Sehr zu unserer erschütterten Überraschung haben Mars und Mond die zweite Hälfe des Winters nicht überlebt … Die rege Aktivität vor dem Flugloch war lediglich auf fremde Bienen zurückzuführen, die Honig- und Pergavorräte geplündert haben. Ähnlich wie im Herbst, als das Futter begann knapp zu werden.
Nebst aller Trauer um den drastischen Schwund zweier Völker drängt sich doch ein wichtiger Hinweis für Imkeranfänger auf, der an dieser Stelle natürlich auch genannt werden soll:  Nur wenn im Frühjahr die Bienen mit Pollen vor ihrem Flugloch gesichtet werden, ist davon auszugehen, dass das Volk noch lebt. Aktivität allein reicht nicht, sie zeigt lediglich das aus menschlicher Sicht vollkommen amoralische Verhalten der Bienen an. Oder wer von uns würde zwei Monate nach Ableben das Grab der Oma ausheben, um ihren teuren Brillantschmuck mitzunehmen und zu versetzen ?!

Irgendwie würde es helfen zu verstehen, was genau passiert ist. Als Imker-Beginner sehnen wir uns nach dem Trostpflaster aus Gründen und des Verstehen, auch um ggf Fehler nicht zu wiederholen. Die Totengräberarbeit an den Stöcken brachte etwas Aufschluss zu dem vorangegangenen Massensterben.

Mars:
Wie schon oft erwähnt war Mars das kleinste Volk, sie hatten spät in 2016 noch mal umweiseln müssen und waren mit geringer Volkstärke in den Winter gegangen, weswegen ihre Nestkiste auch diese schrecklich modische Isomatte umgebunden hatte.
Bei Mond zeigte sich das grausigste Bild: Zwischen zwei Wabenplatten entdeckten wir eine Handgroße Traube aus teilweise schimmeligen und verrottenden toten Bienen. Schlusszufolgern was in diesem Stock geschehen ist, fällt daher nicht schwer. Mars ist in an einem Punkt Zwischen Anfang Januar und Anfang Mitte März erfroren. Wir finden Bienen in kopfüber Zellen, sogar zwei schlüpfende Bienchen, welche die Kälte dahin gerafft hat. Wirklich ausmalen mag man sich das Szenario des langsamen Sterbens der Mars-Bienen mit  menschlich-emotionaler Vorstellungskraft nicht

Bienentraube_tot

Marsvolk in einer erfrorenen Traube

Erfrorene Bienen

Tote Bienen des Marsvolks auf ihrer Wabe

tote Bienen

Tote Marsvolk-Bienen

Bienensterben

Trauer um Marsvolk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


MOnd:
Die Begebenheiten des MOndvolk-Sterbens hingegen gestalten sich weit mysteriöser. Sieben Waben sind einfach leer, der Boden ist mit Bienen bedeckt, doch bei weiten keine zwanzigtausend, was die Frage aufkommen lässt: Wohin sich die MOnd-Bienen verschwunden?

Meine liebste Vorstellung wäre, dass sie irgendwann zu den anderen Völkern umgesiedet sind und sich mit einer Ladung Futtter bei ihren Schwesternnestern hinein gebettelt haben. Keine Ahnung, ob das wahrscheinlich oder gar sinnvoll ist? MOnd war ja immer etwas querulat drauf, aber ob sie so weit gehen würden? Schwer zu sagen … Auch ihre Königin, Moja, haben wir unter den toten Bienen nicht gefunden, sie hatten eine blaue Markierung, daher wundert uns das schon. Ganz offenbar haben wir es im Falle von MOnd mit jenem speziellen Grusel-Phänomen zu tun, das seit einigen Jahren eine große Zahl der Imkerschaft immer wieder heimsucht – das Verschwinden ganzer Völker nach dem Winter.

Sonne und Venus geht es glücklicherweise hervorragend. Sie haben wenige Milben und sind fleißig mit Nestvergrößerung beschäftigt. Unsere nächsten Schritte werden uns in Richtung der Kleinzüchtung führen. Denn auch wir sind ein Teil der Natur und wir machen einfach weiter!

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